Interview mit Dörte Welte

Datum des Interviews: 10.01.2024
Befragte Person: Dörte Welte
Kontext: Tochter einer an Demenz erkrankten Mutter, Reflexion über ihre Erfahrungen und den Heimalltag
Relevanz: Perspektive einer Angehörigen, konkrete Praxisbeispiele und Ansätze zur Gestaltung von Lebensqualität bei Demenz

Erste Anzeichen und Umgang mit der Diagnose:
Dörte Welte beschreibt einen schleichenden Beginn der Demenzerkrankung ihrer Mutter, die sie selbst bemerkte, ohne eine offizielle Diagnose durch einen Arzt. Ihre Mutter hatte ihr Leben lang mit Menschen gearbeitet und war unter anderem in der Seniorenarbeit sehr engagiert. Der Verlust kognitiver Fähigkeiten äußerte sich zunächst bei Spielen mit den Enkeln. Die Mutter lehnte eine neurologische Abklärung ab, was die Betreuung erschwerte.

Emotionale Distanz und Akzeptanz:
Welte zeigt eine bemerkenswerte emotionale Distanz und Akzeptanz gegenüber der Erkrankung ihrer Mutter. Sie empfindet keine Trauer im klassischen Sinn, sondern sieht ihre Mutter in einem Zustand des „Nichtwissens“, der sie auch vor dem Leid der Welt schützt. Für sie ist ihre Mutter „glücklich und zufrieden“.

Besuche und Gestaltung des Alltags:
Welte versucht, die Besuche möglichst aktiv zu gestalten – z. B. mit Spaziergängen („Parkbank-Hopping“) oder Café-Besuchen. Dabei geht sie auf die Tagesform der Mutter ein. Sie nimmt Rücksicht auf deren Bedürfnisse und lehnt jegliche Bevormundung ab.

Würde und Selbstbestimmung:
Ein zentrales Anliegen ist die Wahrung der Würde der Mutter. Welte betont, dass sie ihrer Mutter nichts aufzwingt – weder Frisörbesuche noch Aktivitäten. Die Haltung ist geprägt von Respekt vor dem Willen der Mutter, auch wenn sie sich verbal nicht mehr ausdrücken kann.

Depression als belastender Aspekt:
Die depressive Verstimmung ihrer Mutter war eine der schwersten Erfahrungen im Krankheitsverlauf. Medikamente helfen mittlerweile dabei, die emotionale Balance zu halten.

Technologie und Innovation im Heim:
Welte spricht positiv über technologische und kreative Ansätze im Heim ihrer Mutter in Lübeck. Die Heimleiterin (Frau Trockner) sei sehr offen für neue Methoden, z. B. Robotik oder 360°-Projektionen („Imagine-Picasso“). Das Personal sei motiviert und erlebe sich als Teil einer zukunftsorientierten Einrichtung.

Rolle biografischer Bezüge:
Biografiearbeit im Heim wird beschrieben, stößt jedoch bei vielen Bewohner:innen an Grenzen des Erinnerungsvermögens. Trotzdem sieht Welte Potenzial in atmosphärischen Formaten wie Projektionen oder visuellen Reisen.