Interview mit Karin Fritz

Interviewpartnerin: Katrin Fritz, Mitgründerin von Home Instead Schweiz, Projektleiterin im Bereich Demenz
Ort/Zeit: Zoom Call, 13.03.2024
Dauer: ca. 54 Minuten
Themenfelder: Demenzbetreuung, Angehörigenberatung, Innovation in der Schulung, Alltagsgestaltung

Hintergrund und Tätigkeit

Karin Fritz ist Mitgründerin von Home Instead Schweiz, einem Dienstleistungsanbieter für die Alltagsbegleitung älterer Menschen im häuslichen Umfeld. Das Unternehmen verfolgt das Ziel, mit sogenannten Caregivern eine Betreuung ab zwei Stunden pro Einsatz zu ermöglichen, um so die Selbstständigkeit und Lebensqualität der Betroffenen möglichst lange zu erhalten. In ihrer langjährigen Funktion als Geschäftsführerin des Pilotbüros in Basel leitete Fritz über 250 Mitarbeitende. Heute liegt ihr Fokus auf dem Thema Demenz, das sie auf Projektbasis und international bearbeitet. Dazu gehören unter anderem ein Beratungstelefon sowie die Mitarbeit an einer Stiftung im Bereich Demenz.


Herausforderungen im Umgang mit Demenz

Als größte Herausforderung in der häuslichen Demenzbetreuung beschreibt Fritz das grundlegende Verständnis der Krankheit. Menschen mit Demenz „ticken anders“ – ihr Denken, Wahrnehmen und Handeln folgt einer eigenen inneren Logik. Angehörige müssten lernen, diesen veränderten Realitäten empathisch zu begegnen, anstatt sie zu korrigieren. Klassische Schulungen seien dabei nur bedingt hilfreich, da sie oft zeitlich schwer vereinbar und emotional belastend seien.


Potenziale durch VR und neue Vermittlungsformen

Vor diesem Hintergrund sieht Fritz großes Potenzial in immersiven, digitalen Formaten wie Virtual Reality. Eine VR-Brille könne Angehörigen ermöglichen, Schulungssituationen emotional und realitätsnah zu erleben. Dabei gehe es nicht um defizitorientierte Darstellung, sondern um konkrete Handlungsoptionen im Alltag. Auch in Heimbesuchssituationen könnten VR-Erlebnisse (z. B. virtuelle Ausflüge) ohne Erinnerungsdruck eingesetzt werden – als stressfreie, angenehme Erlebnisse für Menschen mit Demenz.


Relevanz für Projektarbeit

Fritz betont, dass das Thema Angehörigenschulung in vielen Gesprächen mit Betroffenen und Fachpersonen immer wieder auftauche. Es sei eine zentrale Stellschraube zur Verbesserung der Lebensqualität. Sie bietet Studierenden an, eigene Erfahrungen über ihre geplante Stiftung einzubringen und als Mentorin Projekte im Bereich Demenz zu begleiten.