Datum des Interviews: 29.03.2024
Interviewpartnerin: Regula Blaser
Institution: Berner Fachhochschule, Institut Alter
Funktion: Forschung
Interviewer: Alexandre Favarger
Ort: Zoom
Kontext
Regula Blaser forscht am Institut Alter der Berner Fachhochschule, insbesondere zum Thema Hochaltrigkeit und zu Menschen mit Demenz. Obwohl aktuell kein spezifisches Demenzprojekt läuft, gibt es laufende Forschungsarbeiten zu Angeboten wie der Musik-Spitex, bei denen Musiker:innen Hausbesuche bei älteren Menschen machen, um musikalische Erlebnisse zu ermöglichen – auch für Menschen mit Demenz.
Musik-Spitex
- Musik kann sehr positiv wirken, wenn sie auf die Situation angepasst ist.
- In einem beobachteten Fall war eine Geige im Wohnzimmer zu laut und überfordernd – es kam zu Reizüberflutung.
- Aufmerksamkeitsspannen von Menschen mit Demenz sind oft zu kurz für klassische Konzertformate.
- Der Kontext, in dem Musik stattfindet, muss daher sehr sensibel gewählt werden.
Virtual Reality (VR)
- Blaser kennt eine Masterarbeit, die den Einsatz von VR für Menschen mit Demenz untersucht hat:
→ Personen konnten virtuelle Reisen an Orte ihrer Wahl unternehmen. - Die Ergebnisse waren ambivalent:
- In einigen Fällen war die Brille zu störend.
- Sensorische Einschränkungen (Sehvermögen, Bewegung) waren eine grosse Hürde.
- Der Mehrwert der Technik wurde teilweise hinterfragt, v.a. im Vergleich zu analogen Methoden.
Relevante Faktoren für Gestaltung
- Die soziale Interaktion ist für Menschen mit Demenz besonders wichtig – sie fördert Orientierung und Wohlbefinden.
- Gruppenaktivitäten mit Gemeinschaftsgefühl wirken meist besser als individuelle Angebote.
- Gestaltungsideen wie Wandbilder, wechselnde Farbwelten oder Themenräume könnten hilfreich sein – insbesondere, wenn sie biografisch auf Bewohner:innen abgestimmt sind.
- Interaktive Räume (z.B. Wald, Meer) könnten spannend sein – wenn sie sozial integrierend wirken.
Anforderungen an Technik
- Technik muss extrem einfach bedienbar sein.
- Ziel sollte sein, Selbstbestimmung zu erhalten, nicht zu ersetzen.
- Der Einsatz technischer Lösungen muss gegenüber analogen Alternativen begründet werden.
Weiterführende Hinweise
- Hinweise auf weitere Forschungsstellen, z.B. Zentrum für Gerontologie der Universität Zürich oder die Fachhochschule OST, wo Forschung zu Demenz stattfindet.
- Die erwähnte Masterarbeit zur VR könne evtl. online gefunden werden, Blaser bietet an, den Kontakt zur Autorin herzustellen.