1. Einzelne Beobachtungen
Während der Beobachtungswoche wurden verschiedene Bewohner:innen in Alltagssituationen begleitet. Es zeigten sich folgende Verhaltensmuster:
- Bewohner:innen reagierten unterschiedlich auf sprachliche Ansprache. Teilweise wurden einfache Floskeln oder wortähnliche Lautfolgen verwendet.
- Bei mehreren Personen war ein starkes mimisches Ausdrucksverhalten zu beobachten, z. B. durch Lachen oder Lautieren ohne sprachlich verständliche Inhalte.
- Einzelne Bewohner:innen suchten gezielt Blickkontakt, stellten Fragen oder kommentierten Situationen.
- Wiederholende Erzählmuster traten bei mehreren Personen auf. Gespräche wurden zum Teil in inhaltlichen Schleifen geführt.
- Beobachtet wurden auch selbstinitiierte Handlungen wie das Sortieren von Gegenständen, das Betrachten von Glace, Texturen oder Mustern.
2. Aktivitäten und Therapie
Im Rahmen der Beobachtung wurden verschiedene therapeutische und alltagspraktische Angebote dokumentiert:
- Bewegung: Einzelübungen wie Aufstehen, Sitzen und Gehen unter Anleitung fanden statt.
- Spiele: Bei einem Würfelspiel mit Farben war die Handlungsumsetzung variabel. Spielregeln wurden teilweise nicht erkannt oder individuell interpretiert.
- Gedächtnisaktivierung: Es wurde ein Memory-Spiel durchgeführt. Die Teilnahme war unterschiedlich aktiv.
- Lesen und Gespräche: Zeitschriften dienten als Gesprächsanlass. Bewohner:innen reagierten mit biografischen Erinnerungen oder Kommentaren.
- Musik und Gottesdienst: Ein musikalisch begleiteter Gottesdienst wurde besucht. Die Beteiligung variierte von stiller Teilnahme bis zum Mitsprechen von Gebeten.
- Veranstaltungen: Ein musikalisches Gartenangebot sowie ein Glacestand wurden beobachtet. Bewohner:innen äußerten Zustimmung oder Ablehnung durch Gestik, Mimik oder verbale Kurzäußerungen.
- Erlebnisgruppe: In einem Gruppenraum wurden kreative, sprachliche und musikalische Aktivitäten angeboten. Mandalas wurden ausgefüllt, Bilder betrachtet, Texte gelesen, Musik gehört und gesungen. Eine therapeutische Fachperson moderierte die Gruppe. Die Aufmerksamkeitsspanne variierte.
3. Pflege und Organisation
- Pflegeabläufe: Die Grundpflege wurde beobachtet. Bewohner:innen benötigten Anleitung und Unterstützung. Sprache wurde angepasst eingesetzt (laut, langsam, vereinfacht).
- Essenssituation: Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme wurde dokumentiert. In einem Fall erfolgte Nahrungsverweigerung mit Ablehnungsverhalten. In einem anderen Fall wurde sehr langsam gegessen.
- Bezugspflege: Die Betreuung erfolgt nach dem Prinzip der Bezugspflege.
- Biografiearbeit: Biografiekarten existieren, waren jedoch teilweise nicht auffindbar. In einzelnen Zimmern wurden biografisch relevante Gegenstände gesichtet (z. B. Modellflugzeug, Fotos).
- Personal: Zur strukturierten Einführung neuer Mitarbeitender lagen keine Informationen vor. Weiterbildungsmöglichkeiten wurden angesprochen, jedoch nicht systematisch dokumentiert.
4. Technologische Aspekte
- Digitale Medien: Es kamen keine digitalen Endgeräte (z. B. Tablets, interaktive Bildschirme) zum Einsatz.
- Fernsehen: Fernseher waren im Aufenthaltsbereich in Betrieb. Bewohner:innen schauten vereinzelt, meist ohne erkennbare Reaktion.
- Sensorische Impulse: Reaktionen auf Licht, Muster, Texturen, Musik und Geschmackseindrücke wurden mehrfach beobachtet. Ein gezielter technischer Einsatz zur sensorischen Aktivierung (z. B. Lichtelemente, Klanginstallationen) fand nicht statt.
5. Schluss: Fazit
Zusammenfassung der beobachteten Inhalte:
- Die Betreuung erfolgte individuell und angepasst an die kognitiven und körperlichen Fähigkeiten der Bewohner:innen.
- Gruppen- und Einzelaktivierungen waren regelmäßig Bestandteil des Tagesablaufs.
- Sprachliche und nonverbale Reaktionen variierten stark.
- Biografiearbeit war in Einzelfällen sichtbar, jedoch nicht durchgängig implementiert.
- Digitale Technologien waren nicht Teil des beobachteten Alltags.
- Die pflegerische Arbeit wurde durch menschliche Nähe, Sprachsensibilität und Alltagsstruktur geprägt.
Identifizierte Schwerpunkte:
- Fokus auf personenzentrierter Aktivierung mit analogen Mitteln
- Nutzung einfacher Materialien zur Förderung von Sinneswahrnehmung und Kommunikation
- Heterogene Beteiligung an Gruppenangeboten
- Fehlender Einsatz digitaler oder technologischer Unterstützungsangebote
- Biografische Anknüpfungspunkte vorhanden, aber organisatorisch nicht standardisiert abrufbar